Kanada und AIDA: der föderale KI-Ansatz nach dem Scheitern von Bill C-27
Kanada wollte mit dem Artificial Intelligence and Data Act (AIDA), Teil von Bill C-27, ein föderales KI-Gesetz. Dieser Gesetzentwurf scheiterte Anfang 2025, als das Parlament vertagt wurde. Es bleiben ein freiwilliger Verhaltenskodex und bestehendes Recht — kein bindendes KI-Gesetz wie in der EU.
Kurze Antwort: Kanada versuchte mit dem Artificial Intelligence and Data Act (AIDA), als Teil von Bill C-27 ein föderales KI-Gesetz einzuführen. Als das föderale Parlament Anfang 2025 vertagt wurde (Prorogation), verfiel der gesamte Gesetzentwurf. Kanada hat derzeit also kein bindendes föderales KI-Gesetz wie die EU-KI-Verordnung; was bleibt, ist ein freiwilliger Verhaltenskodex sowie bestehendes Datenschutz-, Wettbewerbs- und Haftungsrecht.
Was AIDA regeln sollte
AIDA war darauf ausgelegt, "high-impact"-KI-Systeme zu regulieren: Systeme mit einem erheblichen Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte. Der Entwurf verpflichtete Verwalter und Anbieter dazu, Risiken zu bewerten, zu mindern und zu dokumentieren, transparent über die Nutzung zu sein und eine neue Aufsichtsbehörde (einen KI- und Datenkommissar) zu akzeptieren. Die konkrete Ausgestaltung von "high-impact" sollte über spätere Durchführungsregeln kommen — einer der Kritikpunkte war gerade, dass das Gesetz zu viel auf künftige Regelungen verschob.
Warum es scheiterte
Bill C-27 bündelte drei Dinge: ein neues Datenschutzgesetz, ein Tribunal und AIDA. Der Entwurf lag jahrelang im Ausschussstadium. Im Januar 2025 vertagte die Regierung das Parlament; dadurch verfiel alle noch nicht verabschiedete Gesetzgebung, einschließlich C-27. Eine neue Regierung müsste von vorn beginnen. Derzeit liegt kein verabschiedeter Nachfolger vor.
Was jetzt tatsächlich gilt
Mangels eines Gesetzes stützt sich Kanada auf einen freiwilligen Verhaltenskodex für fortgeschrittene generative KI-Systeme, dem sich führende Unternehmen verpflichtet haben. Daneben gelten bestehende Regeln: föderale und provinzielle Datenschutzgesetze, Verbraucherschutz, Wettbewerbsrecht und Haftungsrecht. Der Unterschied zur EU ist grundsätzlich: Wo die KI-Verordnung im Vorhinein bindende Pflichten auferlegt, vertraut Kanada vorerst auf Selbstregulierung und allgemeines Recht.
Platz auf der Weltkarte
Kanadas Weg veranschaulicht, wie fragil gesetzgeberischer Schwung ist. Das Land war früh mit einer nationalen KI-Strategie und einem Forschungsökosystem, blieb aber auf dem politischen Weg zu bindenden Regeln stecken — anders als Südkorea, das sein KI-Grundgesetz durch das Parlament brachte. Verglichen mit Singapur, das bewusst auf freiwillige Rahmen setzt, ist Kanada notgedrungen in eine vergleichbare Lage geraten: Governance ohne bindendes KI-Gesetz. Siehe auch unseren Vergleich der internationalen KI-Governance.
Was das bedeutet
- Rechnen Sie nicht mit AIDA als Compliance-Anker: Der Entwurf ist nicht in Kraft und kann in geänderter Form zurückkehren.
- Folgen Sie dem bestehenden Recht: Datenschutz-, Verbraucher- und Haftungsregeln sind in Kanada jetzt die bindende Schicht.
- Bauen Sie auf der gemeinsamen Grammatik auf: Wer Governance auf die risikobasierte Struktur der EU und das NIST-Rahmenwerk stützt, ist vorbereitet, sollte Kanada später doch ein bindendes Gesetz verabschieden.
Quellen
- https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1689/oj
Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung): das bindende, risikobasierte EU-KI-Gesetz als Vergleichsanker gegenüber Kanadas gescheitertem Entwurf. - https://ised-isde.canada.ca/site/innovation-better-canada/en/artificial-intelligence-and-data-act-aida-companion-document
Kanadische Regierung (ISED): Begleitdokument zu AIDA, Teil des inzwischen gescheiterten Gesetzentwurfs C-27.
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